you get what you paid for

für alle, die der lateinischen sprache nicht mächtig sind: die überschrift heisst frei übersetzt soetwas wie: „du bekommst (nur) das, wofür du bezahlst/bezahlt hast.“ eine aussage, von der ich zutiefst überzeugt bin. unabhängig von der „geiz ist geil gehirnwäsche“ –  und zwar auch oder gerade als kunde.
in diesem beitrag hatte ich beschrieben, was extreme dumpingpreise für uns bedeuten und warum wir uns konsequent weigern dieses spiel mitzumachen, so sehr sie sich auch auf den kopf stellen. ausserdem habe ich der dumpingpreispolitik der kollegen relativ gelassen gegenübergestanden, weil sich die sache von selbst erledigen würde. dass es allerdings so schnell passieren würde, hätte ich damals allerdings nicht gedacht.
der markt in dem wir uns tummeln ist sehr überschaubar. von kunden, mitbewerbern und lieferanten bekommt man einiges an internas zu hören. so gibt es – oder besser gesagt gab es – etwa 50 km von hier ein geschäft im hochwertigen bereich für kindermöbel und anderen schönen dingen. dort gehörten dumpingpreise (teilweise bis zu 20% plus lieferung plus aufbau) offensichtlich zum marketinginstrument. viele, viele kunden haben uns mit diesen angeboten konfrontiert. einige von ihnen haben offensichtlich auch etwas geahnt, denn oft waren die begleitenden worte: „wenn sie uns den gleichen preis machen, kaufen wir bei ihnen“. aber wir machen nicht den gleichen preis, jetzt nicht und auch nicht in zukunft. versprochen. wir sind nicht bereit für dieses geld den service und aufwand zu betreiben, der nötig ist, um ihnen ein gutes gefühl zu geben. so genug der selbstdarstellungsorgie und zurück zum thema.
in letzter zeit häuften sich dann auch die klagen über oben genanntes geschäft. reklamationen würden schleppend oder gar nicht bearbeitet. umtausch, kulanz und service? fehlanzeige. sie werden es ahnen: genau an dieser stelle werde ich den bogen zu der lateinischen „headline“ schlagen. wie auch? wie soll das mit den preisen funktionieren? unmöglich. sie bekommen das, wofür sie bezahlt haben. nicht mehr. die händler machen ihnen übrigens nicht diese extrempreise, weil sie sie so nett finden, oder ihre frisur ihnen besonders gut steht – papperlapapp. sie machen diese preise, weil sie es nötig haben und dem trugschluss aufsitzen, dass man diesem umstand mit niedrigen preisen entgegenwirken könnte. ich rede hier nicht von gefälligkeiten oder geschenken bei grossen bestellungen, sondern der konsequenten niedrigpreispolitik.
aber das dicke ende kommt ja noch. letzte woche nun war eine völlig aufgelöste kundin bei mir im outlet – sie suchte dringend ein babyzimmer. sie war bei dem besagten geschäft in vorleistung getreten (im übrigen auch ein lockmittel für gute preise). der laden hat pleite gemacht. (logisch hat er pleite gemacht – hat ja kein geld verdient). die kundin ist geld los, in 4 wochen ist geburtstermin und babymöbel hat sie auch keine, bzw. muss sie jetzt doppelt bezahlen.  letzte woche kam dann noch eine und noch eine …
ich möchte jetzt hier in meinem blog nicht „scheisse“ schreiben – aber das trifft es genau auf den punkt.

4 Kommentare zu “you get what you paid for

  1. Es gibt kaum etwas auf dieser Welt, das nicht irgend jemand ein wenig schlechter machen kann und etwas billiger verkaufen könnte, und die Menschen, die sich nur am Preis orientieren, werden die gerechte Beute solcher Menschen.

    Es ist unklug, zu viel zu bezahlen, aber es ist noch schlechter, zu wenig zu bezahlen. Wenn Sie zu viel bezahlen, verlieren Sie etwas Geld, das ist alles. Wenn Sie dagegen zu wenig bezahlen, verlieren Sie manchmal alles, da der gekaufte Gegenstand die ihm zugedachte Aufgabe nicht erfüllen kann.

    Das Gesetz der Wirtschaft verbietet es, für wenig Geld viel Wert zu erhalten. Nehmen Sie das niedrigste Angebot an, müssen Sie für das Risiko, das Sie eingehen, etwas hinzurechnen. Und wenn Sie das tun, dann haben Sie auch genug Geld, um für etwas besseres zu bezahlen.

    John Ruskin (1819-1900)

  2. Hallo Oliver,

    wie sich alles so „trifft“. Auch ich hab heute meine „positiven“ Erfahrungen mit Niedrigpreispolitik und Kundenreaktion gemacht. Und zwar war ich heute bei einem Tischler. Ich verkaufe wie du weißt Kinderbetten und habe ja auch schon dir gegenüber darüber geklagt, dass „wir“ „uns“ selber ein Bein stellen und mit der Arbeitslosigkeit überhaupt nicht voran kommen, wenn wir tatenlos zusehen, wie andere im Ausland zu Dumpingpreisen produzieren lassen, weil dort die Löhne erschreckend niedrig sind und somit hier die Gewinnspanne um so größer. Was ist unsere Arbeitskraft wert, wenn die Arbeit im Ausland erledigt wird? Kein Wunder, das die Leute zu immer günstigeren Artikeln greifen müssen, wenn sie hier nix mehr verdienen um sich „deutsche“ Ware leisten zu können.
    Naja, ich will nicht abschweifen…, das ist ein weit größeres und umfassenderes Thema.
    Jedenfalls erzählte mir auch dieser Tischler davon, dass die Kunden (zunehmend mehr Kunden)langsam merken, dass Niedrigpreise wenig mit wirtschaftlicher Substanz, Haftungsmöglichkeiten und nachfolgendem Servicegedanken zu tun haben. Erschreckend wird auf einmal festgestellt, dass man zwar meinte ein Schnäppchen gemacht zu haben, aber im Endeffekt den Reinfall des Jahrhundert erlebt hat. Das möchte ich natürlich nicht verallgemeinern und es wird auch nicht überall so sein, aber ist dieses Resultat nicht eigentlich grundsätzlich logisch? Wo nichts übrigbleibt, kann auch auch nichts gegeben werden.
    Und wer hat zum Schluß was davon ? Eigentlich niemand, weder das Unternehmen das nun pleite gehen mußte, jede Menge Ärger zu durchstehen hatte, noch der Kunde, der seine Ware entweder gar nicht bekam, Geld für nichts bezahlt hat und jetzt doppelt zahlen muß oder für dessen Reklamationen nun keiner mehr haften wird.
    Vielleicht wird dieser völlig logische Verlauf irgendwann ja einmal sowohl dem Unternehmer, als auch dem Kunden deutlich werden. Und wer weiß, vielleicht, werden „wir“ auch alle eines Tages wieder den Wert unserer eigenen Arbeitskraft mehr zu schätzen wissen, um sie denen gegenüber zu verteidigen, die Niedrigpreise vor Qualität in jeglichem Sinne stellen wollen.
    Aber leider wachen die Menschen immer nur dann auf, wenn Sie selber Schaden erlitten haben.

    Muß wohl so sein…

  3. hallo thomas,

    vielen dank für deinen beitrag. die geschichte mit lohnkonkurrenz und die damit vebundenen (politischen) konsequenzen sind ein sehr spannendes thema – aber auch sehr umfangreich. ich sehe es wie du – trotz, oder gerade deswegen haben wir hier vor ort immense chancen unsere nische zu finden. denn entscheidungskriterien (unserer kunden) beziehen sich eben nicht nur auf den preis. ich sitze direkt an der quelle durch meinen engen kontakt zu dem schreiner, mit dem wir zusammenarbeiten. sicher er ist nicht günstig, aber auf ihn kann ich mich 1000% prozent verlassen. er kann mit den kunden gut umgehen und hat den servicegedanken verinnerlicht. zu diesem servicegedanken gehören flexibilität – z.b. kurzfristige änderungen – ausführliche breatung – persönliche betreung, auch am wochenene, und wenn es nur der berühmte kaffee ist, schnelle berarbeitung von reklamationen und natürlich eine gute qualität. das alles unter einem hut ist gold wert und nahezu unbezahlbar im übertragenen sinne – für die kunden, aber auch für mich.

    ein netter sonntagsgruss nach oben

    oliver

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