liebesbrief an eine zettelwegschreiberin

herzallerliebste politöse,

ich gestehe dir hier ganz öffentlich meinen tiefen respekt – wohlwissend, dass ich mich dadurch auf verdünntes eis begebe. aber was soll ich machen? ich habe immer schon ein föble für randgruppen, aussenseiter und davids gehabt. so bin ich beispielsweise bis heute heisser fan von borussia mönchengladbach – und das nicht nur wegen der leckersten bratwurst, die ich nicht essen können will. egal, ich schwofe ab. zurück zu dir meine liebe verkehrswichterin. ich bewundere dein pflichtbewusstsein. denn da steckt bewusstsein drin. und irgend so ein schwer nachdenkender franzose von viel früher sprach einmal: „ich denke, also bin ich“. diese form der dialektik könnte man mit ganz viel ohne probleme wunderbar auf deine tuigkeit übertragen: sozusagen: „ich schreibe zettel. also bin ich“. ganz schön inhaltsschwer diese art der verspielten denunziation. vor allen dingen geldschwer, denn das, was dir als bedeutungsloser zettel entspringt endet als dickes knöllchen. gott sei dank bin ich nicht dumm, sonst müsste ich wieder einen kalenderspruch bemühen, der da besagen könnte, dass ich die dicksten bekommen könnte, wenn ich denn nicht wollte. aber zurück zum thema. dem thema der aufschreibung. ich habe keine ahnung, warum du so schlecht d`rauf warst. überarbeitung? zu viel frische luft? der emotionale druck, so von gar niemanden gemocht zu werden? das kann schon mal ganz schön an den genervten strängen ziehen. ja – ich brülle es aus diesem blog. ich verstehe dich. denn schliesslich darfst du nur deine pflicht tun müssen. und das ist ganz schön verrauchter tobak – manchmal. man will dann so gar keine wahl haben – oder? ist nicht so einfach den eigenen willen nicht haben zu wollen und steht demnach im gegensatz zu dem schlauen franzosen weiter oben. aber wer hat denn nun recht? wer soll denn nun dein herzblatt sein? schoppenhauer oder doch lieber descart? ganz schön viel schwer. viel schwerer, als sich zu verzetteln. aber ich schwofe schon wieder ab. ausserdem befürchte ich, dass du das so gar nicht verstehen können kannst. deswegen werde ich es mal im antiamtsdeutsch erklären. auch ich finde es eine riesen sauerei, dass wir im eingeschränkten halteverbot gestanden haben. da mag es noch so eine lachende entschuldigung sein, dass wir ein kindermöbel ausgeliefert haben. die gegipfelte frechigkeit war aber in der tat das nicht einhalten der dreiminutengrenze. glücklicherweise hattes du eine uhr dabei und konntest mit gehobenen finger und ebenso erhobener fast verschlagenden sprache genau sagen, wann diese verstrichen waren – trotz der relativitätstheorie – aber die wird dir nichts sagen. philosophie plus physik …. da wäre zettelverschreibung die reinste perle vor die sau – bestimmt. aber um der frankovielen note dieses beitrages wieder ein wenig mehr raum zu geben: nonchalance ist ein fremdwort – da hast du recht. was will man auch mit dieser komischen sprache auf düsseldorfer strassen anfangen können? eben – nix. insofern hast du da ganz richtig gehandelt. um jetzt den (natur)wissenschaftlichen kreis zu schliessen werde ich jetzt auch die lustige mathe bemühen müssen. nämlich mit einem einfachen dreisatz.
erster satz: wir arbeiten viel
zweiter satz: wir zahlen steuern
dritter satz: davon bekommst du dein gehalt
ganz schön wiedersinnig – findest du nicht meine liebe politasse?
der dreisatz hat übrigens nichts mit dem thesenquatsch zu tun. dann müsste es nämlich heissen.
these: politusen sind blöd
antithese: nein – sie sind ganz doll nett
sythese: ach lassen wir das, sonst muss ich an prothesen denken und das ist wieder etwas anderes.
zurück zum dreisatz: durch deine unnachgiebigkeit gräbst du dir das wasser ab, sägst an dem ast auf dem du sitzt, gehst so lange zum krug, bis wer bricht. denn je mehr du aufschreiben tun willst, desto weniger geld habe ich für die steuern. und desto weniger geld bleibt für dein gehalt. gewitzerweise könnte jetzt ein wirtschaftstheoretiker einschmeissen: haha. dann muss sie eben mehr aufschreiben, um das gehaltsloch zu kompostieren. haha – da fällt selbst mir nix mehr zu ein. aber was solls. ich find dich trotzdem verdufte. mag dich ja sonst keiner – wunderts mich? definietiv nein …

9 Kommentare zu “liebesbrief an eine zettelwegschreiberin

  1. Hallo Oliver,
    wenn Du aufgrund von Politösen-Zetteln weniger Steuern zahlen kannst, dann kannst Du offensichtlich damit aber Deinen Gewinn vor Steuern schmälern.
    Bitte sage mir den Trick! Denn ich höre von meiner Zwangsgeldeintreibungsberaterin immer nur, die Zettel seien nicht absetzbar – folglich schmälern meinen Gewinn und damit auch mein Zwangsgeld – Verzeihung: meine Steuern – nicht…
    Bitte, sage mir, wie’s geht, denn die Frau ist auch bei uns in Aachen unterwegs!
    Mit vorauseilendem Dank
    Heike

  2. hallo heike,

    jetzt wo du es sagst …
    geht nicht – da hast du recht. aber es war viel profaner gedacht. je mehr zwangsabgaben aller art, desto weniger bleibt übrig.
    so oder so – ich bin gegen zettelwirtschaft

    schöne grüsse
    oliver

  3. Hallo Oliver,

    moment Mal, dass mit der Aussenseiterin und der Randgruppe hast du sehr schön beschrieben. Aber was hat das mit meinem Lieblingsverein (wie deiner anscheinend auch) Borussia Mönchengladbach zu tun? Wenn du das bei uns (hier in der nähe von Köln) sagst, dann kann ich das verstehen – aber in Düsseldorf – da gehörst du doch nicht zur Randgruppe 😉

    Herzlichen Gruß
    Stefan

  4. hallo stefan,

    gut dass ich nicht alleine bin – noch ein masochist – auf den fussball bezogen. randgruppe im sinne von aussenseiter, unterhund und ewig benachteiligte. ich glaube die rolle steht uns fans doch ganz gut?
    büchsenwurf, pfostenbruch, schiedsrichterschiebung in madrid, pokalendspiel gegen bayern, vor drei jahren in aachen, und, und, und …
    von den letzten 4 jahren ganz zu schweigen.

    schöne grüsse

    oliver

  5. Und wenn Sie es, werter Herr Beil, vielleicht nochmals versuchen mit dem Hinweis auf die Fünfte Dimension. Das ist doch wissenschaftlich fundiert, wenngleich nicht unumstritten, aber einen Versuch alle mal wert.

    Von einer Lösung, wie sie unlängst meinem lieben Freund Henri vorschwebte, möchte ich Sie aber ausdrücklich warnen, nicht zuletzt wegen der Stalinorgel.

    Herzlich
    Ihr Erdge Schoss

  6. sehr geehrter herr schoss,
    vielen dank für ihre unterstützung – aber wie soll ich der dame die fünfte dimension näher bringen, wenn sie nicht einmal im stande ist die erste zu verstehen? das mit dem russischen musikinstrument werde ich bei der nächsten aufsichtsratssitzung einmal zur sprache bringen und mich ggf. mit herrn henri in verbindung setzen.

    herzlichst

    oliver beil

    stefan,

    nach dem madridspiel sind bittere tränen geflossen. so viel holländische ungerechtigkeit auf einmal …
    schöne grüsse
    oliver

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