autowahnsinn teil I

es gab mal zeiten, da waren wir autolos. die anfangszeit, in der wir die firma hochgezogen und jeden pfennig investiert haben. gekämpft, um die kurve zu kriegen und jeden tag kartoffeln von aldi gegessen haben. die zeit war hart, aber mit charme. zumindest weiss ich, was es heisst ohne geld auskommen zu müssen und alleine deswegen möchte ich die zeit nicht missen. dann kam die zeit in der wir wussten, dass wir es gepackt haben und wollten uns belohnen. u.a. mit einem traum von auto (für uns). ein wunderschönes und grosses cabriolet von der blau-weissen firma. wir haben es jeden tag genossen. diese zeit wird im herbst zu ende gehen. und jetzt brauchen wir ein gebrauchsauto – zum fahren – eine richtig schöne familienkutsche.
also habe ich mich die letzten tage mal umgeschaut – natürlich waren die blauweissen meine erste anlaufstation. man kennt sich, der nette verkäufer gratuliert einem immer zum geburtstag und ausserdem sind sie ja auch ganz schön.
dann fängt man an zu rechnen, wuselt sich durch die unzähligen zubehörlisten – ich bin ja mittlerweile froh, dass ein lenkrad incl. ist – rechnet hier ein bisschen und da ein bisschen und dann? dann macht es peng. 60tsd. € für ein auto. kleiner motor – wir sind eher die unsportlichen, spiessigen fahrer. gott sei dank trage ich keinen hut, sonst müsste ich den auf die ablage legen – und ein bisschen klimbim.
als ich klein war, hätte ich grosse augen und ohren bekommen, wenn mein freund gesagt hätte: “ mein papa fährt ein auto, was über 100 tsd dm gekostet hat“ ich hätte mir vorgestellt, wie der papa von meinem freund es sich auf handgenähten ledersitzen bequem gemacht hätte, sanft über das handgeschnitzte massivholz gestreichelt hätte, den vergoldeten schalthebel umschlossen hätte, um dann auf das handgeklöppelte gaspedal zu drücken. die tachonadel aus diamant käme in bewegung …. peng. und heute? ein auto – aus plastik und ein bisschen schnickschnack. ernüchternd und auch ein wenig naiv von mir …
das war der punkt, an dem ich passen musste. geht nicht. und das nicht nur wegen der wirtschaftlichen unsinnigkeit – 1 % regel lässt grüssen – sondern auch wegen unserer konservativen und schuldenfreien finanzpolitik, was die firma angeht. dazu fehlt mir schlichtweg der mut.
und daran schliesst sich eine interessante erfahrung an, die ich mit der zeit auch erst mal begreifen und lernen musste und sicherlich ein interessantes eigenes thema ist. je grösser man wird, desto grösser werden die investitionsummen, um etwas bewegen zu können und desto weniger bleibt für einen selbst übrig trotz steigender umsätze. auf den ersten blick komisch und „verrückt“ – ist aber so. und deswegen wird jetzt eisern gespart – auch oder gerade beim auto …

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