kulturschock

meine theaterbesuche kann ich an einer hand abzählen. ich mochte es nie sonderlich – das theater. vor fast 30 jahren habe ich mal solch einen gassenhauer wie das „käthchen von heilbronn“ anschauen müssen. eingezwängt in meiner ausgehstoffhose kombiniert mit kariertem jacket, lederslippern und tennissocken, habe ich 3 stunden gegen den tiefschlaf angekämpft. ich glaube das waren die langweiligsten stunden in meinem leben – ausgenommen den religionsunterricht bei herrn holtfester. apropo religionsunterricht bzw. schule. dieser institution habe ich meinen zweiten theaterbesuch zu verdanken. faust. nach diesen beiden kindheitstraumata habe ich mich beharrlich und erfolgreich geweigert jemals wieder ein theater zu besuchen – bis gestern. 2 freikarten von freunden und die tatsache, dass wir jetzt offizieller sponsor des jungen schauspielhauses sind, haben mich zu der unüberlegten handlung hinreissen lassen, sofort zuzusagen. mit einem mulmigen gefühl bin ich dann auch gestern abend zum schauspielhaus gefahren – all die intellektuellen menschen, all die angeregten gespräche über kultur, politik und wetter, überall blitzten die piccollöchen. und mittendrin etwas verloren ich – allerdings ohne stoffhose, lederslipper, tennissocken und kariertem sacko. die stimmung wuchs auch  nicht durch die tatsache, dass ich jetzt erfuhr, dass amphitryon gespielt wurde. griechische mythologie, thebater, alkmene , zeus, kleist – ein paar stichworte für die gebildeten leser dieses blogs.
kurz und schmerzlos: es war eine fantastische aufführung voller witz, tollen einfällen, einer irren regie und einem klasse bühnenbild. ich habe 2 stunden gebannt auf die bühne geschaut und zugehört. ein toller abend. was sagt mir das jetzt, ausser, dass ich mir jetzt eine jahreskarte kaufe? nicht unbedingt 30 jahre warten, um alte unleidenschaften auszuleben. sonst entgeht einem manch eine schöne überraschung …
(in den nächsten tagen klingelt jetzt bestimmt das telefon und meine mutter fragt mich, ob ich nicht lust hätte mit ihr ins ballett zu gehen)

Ein Kommentar zu “kulturschock

  1. hallo oliver,

    und obwohl du: „…allerdings ohne stoffhose, lederslipper, tennissocken und kariertem sacko“ warst waren die stars auf der buehne und nicht DU der hauptdarsteller? *grins*

    toll, dass du so viel freude an deiner unleidenschaft hattest. und dein sponsorship ist doch eine gute investition.

    viele gruesse
    katalina

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