paranoia und verkaufsförderung

im anschluss an diesen beitrag gab es den ein oder anderen kommentar, der mich wieder an grundsätzliche überlegungen erinnert hat. überlegungen, die wohl jeder shopbetreiber kennt. wie nahe darf ich dem (potentiellen) kunden kommen, um zu verkaufen?
in diesem konkreten fall (auf den beitrag bezogen): darf ich dem besucher eine mail schicken, der im internetladen einkaufen war und dann die bestellung doch nicht zu ende geführt hat, um zu fragen, warum er dies nicht getan hat? können geht das. aber dürfen auch? es geht mir jetzt nicht um gesetzliche regelungen, sondern vielmehr um die psychologische komponente. wäre das ( für mich) ein geeignetes werbeinstrument?
im zweiten fall geht es um die technische möglichkeit sich die warenkörbe der besucher zu merken. also frau meier (oder herr schulze) stöbert bei uns im shop und legt sich das ein oder andere in den warenkorb und verschwindet dann, ohne in den einkaufsprozess einzusteigen. wenn frau meier (oder herr schulze) später wieder kommt ( auch tage/wochen später) findet sie ihren gefüllten warenkorb wieder vor – so als wäre sie nie weg gewesen.
beide oben genannten möglichkeiten standen bei mir zur diskussion. wobei ich zugeben muss, dass in beiden fällen die diskussion extrem kurz gewesen ist. denn mir war für mich schnell klar, dass mir das nicht in die tüte kommt – wie gesagt – auch unabhängig von evtl. gesetzlichen vorgaben. ausschlaggebend war mein bauch und mein eigenes gefühl. zum einen bin ich selbst in geschäftlichen dingen paranoid veranlagt und kann der penetranz nichts abgewinnen, die manche an den tag legen, um zu verkaufen. jeder, der versucht hat mir am telefon oder an der haustür etwas zu verkaufen könnte das bestätigen, wenn er wollte. ein onlineschlüsselerlebnis hatte ich in einem anderen onlineshop, in dem mir während des bestellvorgangs produkte auf`s auge gedrückt wurden. zur krönung durfte ich dann noch erklären, warum ich sie nicht haben will. extremverkäufer werden jetzt mit dem kopf schütteln und auf die entgehenden verkäufe und das verlorene potential verweisen. ich mag mir aber keine verkaufspraktiken zu eigen machen, die mit „auf die pelle rücken“ zu tun haben. gerade in einem bereich, in dem wir uns tummeln. zum einen spielen hier emotionen eine grosse rolle und wir vertreiben keine massenprodukte, mit denen menge gemacht wird. demensprechend anders strukturiert ist auch unsere zielgruppe. ich denke, dass man hier sehr vorsichtig sein muss. der zweite – und viel entscheidendere punkt an dieser stelle – ist das thema datensicherheit bzw. die sensibiliserung von kunden und besuchern. wie kommt das an, wenn ich vermeindlich anonym auf eine seite komme, mich dort umschaue, vielleicht etwas in den warnekorb lege und mich dann doch umentscheide um dann wenig später „genötigt“ werde mich zu rechtfertigen, warum ich gegangen bin. das hört sich vielleicht etwas extrem an. aber die gefahr besteht, dass es besucher gibt, die das so auffassen würden. ich wäre z.b. so einer. ich stelle mir gerade vor, ich würde unkaufend aus einem geschäft gehen, um an der tür gefragt zu werden, warum ich denn nicht gekauft hätte. sicher – für geschäftsinhaber wären diese informationen mehr als gold wert. aber geh der schuss nicht nach hinten los? und zur zweiten möglichkeit:  wie muss ein potentieller kunde denken (der zudem vielleicht noch wenig/keine ahnung von der technik hat), wenn er 3 wochen später auf unsere seite kommt und plötzlich seinen gefüllten warenkorb wieder vorfindet? welches gefühl bzgl. vertraulicher umgang mit daten würde man ihm vermitteln? würde er sich nicht durchleuchtet, beobachtet und gesammelt vorkommen?
all das sind überlegungen, die mich diese dinge nicht einsetzen lassen, wobei ich das nicht pauschal verurteilen möchte. denn zum teil hat das sicherlich auch eine menge mit zielgruppen und warengruppen zu tun.

5 Kommentare zu “paranoia und verkaufsförderung

  1. Hi Oli, diese Fragen die du hier gestellt hast, sind sicher auch Fragen die sich ein Shopbetreiber immer wieder mal selber stellen muss. Das typische Wie Was Wo, ist die wichtigste Frage im Onlinegeschäft. Auch die Einwände kann man sicherlich schnell nachvollziehen. Da ich auch einmal ein solches Nachfasssystem in meinem alten Shop (nicht ToyOne) eingesetzt habe, kann ich sagen, das es doch einige Kunden gibt, die sowas dann auch beantworten wenn sie eine Mail kriegen warum der Verkauf abgebrochen wurde. Böse Rückmails habe ich damals auch nicht bekommen. Nun habe ich in der zwischen Zeit auch etwas umgedacht, wenn ich daran denke, wie manch ein Onlineshop einem die Mailbox mit Werbung zu Spamt. Ich für meinen Teil lasse ebenfalls die Finger von dieser Nachfassmail.
    Was das speichern des Warenkorben angeht, so finde ich das im Rahmen sicher eine gute Möglichkeit, hier muss aber klar ein Zeuitpunkt X definiert werden, ab wann die Speicherung wieder gelöscht wird. Da hier ja keinerlei Kundendaten erhoben werden, sehe ich hier auch keine grosse Gefahr drin. Für mich ist es oft garnichtmal so schlecht, wenn ich nach 3 Tagen in den Shop zurück kommen und der Warenkorb noch da ist. Allerdings würde ich für meinen Teil sagen, das eine Speicherung von max. 5 Tagen hier völlig ausreichend wäre, danach sollten die Aritkel auch wieder gelöscht sein, denn dafür gibt es ja dann auch die Merkliste und diverse andere Möglichkeiten.
    Im Grunde ist es immer wieder die gleiche Frage, die man sich stellen muss, wo ist hier eine WIN-WIN Situation für beide Seiten oder ist diese eher als einseitig anzusehen. Wie immer ist halt auch hier einfach ein gewisses Fingerspitzengefühl gefragt.
    Gruß Stefan

  2. hallo stefan,

    danke für diesen guten kommentar – wie ich finde. du hast sicherlich recht. die warenkrobspeicherung ist nicht ganz so „dramatisch“. und sie hat auch praktische gesichtspunkte – für beide seiten. allerdings hängt es auch hier mit von der zielgrupe und dem sortiment ab. ich bilde mir ein, das das thema umso sensibler ist, je höherpreisiger das segment ist. vertrauen und vertrauenswürdigkeit spielt eine grosse rolle. und oft sind es winzigkeiten, die diese untergraben können. dazu kommt, dass es unser angebot auch nicht „an jeder ecke gibt“. also die notwendigkeit eines möglichen vergessens entgegenzuwirken vielleicht auch nicht so dringlich ist, wie bei hoher konkurrenzdichte. in diesem fall könnte man die speicherung auch als service verstehen. aber wie gesagt. die gedanken sind ganz speziell auf uns und uner sortiment, bzw. geschäftsmodell ausgerichtet. woanders kann das vielleicht sinn machen.

    gruss oliver

  3. Lieber Herr Beil,

    uneingeschränkt teile ich mal wieder Ihre Meinung. Als Onlinekundin, als Online-Händlerin (naja, bald …), als Web-affine. Ich finde Ihre Entscheidung symathisch und richtig. Was nerven mich schon die Butik-Verkäuferinnen mit einem freundlichen „kann ich Ihnen helfen“, kaum, dass ich die Schwelle überschritten habe. Aber das liegt vielleicht auch eher in meinem Gemüt, aber natürlich bin ich nicht allein auf der Welt mit diesem Gefühl. Bevormundung, Kontrolle, alles Reizwörter, in denen hohes Allergie-Potential liegt.

    Ich finde ne gute Möglichkeit das „Registrieren“: in meinen Lieblingsläden (neben amazon und bahn (nicht Lieblings-, aber was solls) die, die ich als solche auswähle) speichert man dann eben da die Daten, bestellt vielleicht sogar einen Newsletter (oder feedet den blog ;)) Da fände ich nen Warenkorb, der nicht gleich vergisst, auch nett.

    Und was die ganze Datensammlung, gläsernes Surfen, etc. angeht, finde ich schon spannend, wie kontrovers unser aller google da bewertet, ins Leben genommen, hingenommen, geliebt, gehasst wird. Zwischen Paranoia udn „was solls, aber die Gadgets sind nun mal super“ – alles dabei.

    Gar nicht so selten freue ich mich direkt über amazons Buchvorschläge.

    Tja, das sind dann wohl mal wieder die drei Seiten der berühmten Medaille …

    Herzliche Hauptstadtgrüße

  4. Lieber Herr Beil,

    bald. Ganz bald. Heiße Phase. Meine Entscheidungsschwäche fordert mich täglich 83mal. Meine Grafikerin feilscht um jeden Pixel. Die Agentur dreht am Rad. Und ich bastle content. Und so Kleinigkeiten.

    Ich gewöhn mich ans Tempo – und habe täglich grundsätzliche Zweifel. Wie immer eigentlich.

    Schöne Grüße aus der Hauptstadt

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